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Immer am Puls der Griechen

Willi F. Gerbode aus Holtwick lässt sein umfangreiches Wissen über Land und Leute einfließen

Es scheint, als wäre er einer von ihnen: Der Holtwicker Willi F. Gerbode gilt als Griechenland-Kenner und hat bei seinen regelmäßigen Aufenthalten im krisengebeutelten Land mit den Menschen vor Ort gesprochen, sozusagen auf Augenhöhe. Und das weckte großes Interesse: Insgesamt rund 100 Zuhörer verfolgten die Konzert-Lesung im Rahmen der Kulturkarte Rosendahl in der Aula der Nikolaus-Grundschule in Holtwick.



Die eindrucksvolle und außergewöhnliche Lesung unterteilte sich durch einen Bruch, den der Autor so beabsichtigt hatte und den Zuhörern spüren ließ. Im ersten Teil ging er auf die griechische Mentalität ein und las Passagen aus seinem Buch „Die Wellen der drei Meere“, beschrieb die Zufallsbekanntschaft mit einem Taxifahrer namens George, der als Gastarbeiter eine langjährige Liebesbeziehung mit einer verheirateten deutschen Frau beeindruckend ehrlich schildert - seine geheime Liebschaft, die er bis ins Alter pflegt. Der Mailwechsel mit seiner Tochter findet besondere Aufmerksamkeit bei den Zuhörern: „Ich bin von den philosophischen Gedanken sehr beeindruckt“, so Bärbel Preckel aus Laer. Mit seinen selbstkomponierten Liedern ließ Gerbode gekonnt und gefühlvoll seine Gitarre sprechen.

Im zweiten Teil stellte er sein Buch „Apollons verlorene Kinder“ vor, berichtete von Schulden und Eurokrise in Kombination mit den Menschen und ihrer Mentalität. Er sprach über eine existenzielle Krise in Griechenland, über die Hellenen, die den Anderen immer die Schuld an ihrer Misere geben. „Die Gemeinschaft der Griechen ist von Egoismus geprägt“, formulierte er hart. „Es sind nicht schlechtere Menschen, sondern sie sind in miserableren Verhältnissen aufgewachsen“, gab der ehemalige Pädagoge zu bedenken. Er gab erschreckend deutlich seine Einblicke in die griechische Gesellschaft und deren Strukturen wieder. Jedem das seine und mir alles, beschrieb der Schriftsteller, literarische Kabarettist und Songwriter die Mentalität. „Griechenland steht vor einem Bürgerkrieg.“ Seine Auffassungen und Vermutungen der politischen Entwicklung sind im Interview beim WDR zu hören.

„Wir haben vor über einem Jahr diesen Termin zusammen ausgemacht, und das Thema Griechenland ist mehr denn je aktuell“, bemerkte Dorothea Roters, Kulturbeauftragte der Gemeinde. Willi F. Gerbode wiederum bedankte sich beim interessierten Publikum, das trotz der schweren Kost aufmerksam zugehört habe. Am Samstag wird ihm der Anerkennungspreis der Freudenthalgesellschaft 2012 überreicht, eine von mittlerweile vielen Auszeichnungen. Sein neuestes Werk wird im November 2012 erscheinen und ist als Subskription bereits erhältlich: „Der freie Fall des Ikaros. Bei den Griechen im Kampf um Europa.“

AZ v. 26.09.12 -bk-
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