Wenn der Nichtraucher zur Zigarette greift
Vince Ebert begeistert mit seiner Auffassung von Freiheit
Aus Lautsprechern erschallt „Everybody’s free“, auf der Bühne steigt Dampf auf, Vince Ebert betritt den „Hexenkessel Osterwick“ und bedankt sich bei den gut 500 Zuschauern für den frenetischen Applaus, mit dem er im Rahmen des Kulturprogrammes „in der Jugendstil-Halle des verträumten Münsterlandes“ empfangen wird. Wissenschaft und Kabarett, das sind die beiden Standbeine, auf denen sein Programm „Freiheit ist alles“ fußt, denn er ist „nach Oskar Lafontaine und Angela Merkel der dritte Physiker, der sein Geld mit Kabarett verdient.“
Seine höchst unterhaltsame Reise durch die Welt der Freiheit beginnt er gleich mit einer Frage: „Wer von Ihnen ist denn heute freiwillig hier? Die Motivation, etwas abends zu unternehmen, geht mit 80 Prozent von den Frauen aus.“ Freier Wille also? Dabei ist die Sehnsucht nach Freiheit laut Ebert eine klassische männliche Eigenschaft: „Wir wollen frei sein, aber wir wissen nicht, wozu!“
Ebert aber weiß es, er nutzt die Freiheit, um sich auf der Bühne zu philosophischen, politischen und religiösen Fragen zu äußern und dabei immer wieder spannende Zusammenhänge zur Physik herzustellen. So weist er mit Hilfe von Bibelzitaten und physikalischen Formeln nach, dass es im Himmel heißer ist als in der Hölle; konstatiert, dass wir heute die Freiheit haben, auf einer Bühne Witze über Gott zu machen und fordert Zivilcourage auch vom Publikum. So fragt er etwa, wer den Mut hat, unter eine auf seinen „analogen iPod“ gezeichnete Karikatur Mohamed zu schreiben. „Jeder Käfer wird beschützt, aber wenn jemand wegen einer Karikatur bedroht wird, schwafelt man von Respekt vor anderen Religionen“, plädiert Ebert nachdrücklich dafür, dass Freiheit immer die Freiheit der anders Denkenden ist.
Der diplomierte Physiker erweist sich als scharfer Denker und bissiger Kritiker, der es mühelos schafft, in einem dichten Programm Humor mit Nachdenklichkeit und verständlich aufbereiteter Wissenschaft zu paaren und dabei zielgerichtet Absurdität und Irrationalität deutschen Denkens zu entlarven. Etwa, wenn er sich als Nichtraucher in einem auf der Bühne angegrenzten Quadrat („Das ist ungefähr so sinnvoll, wie Schwimmbecken in Pinkler und Nichtpinkler einzuteilen“) eine Zigarette ansteckt: „Ich habe die Freiheit zu rauchen, der Raucher tut sich mit dem Nichtrauchen schon schwerer.“ Freie Marktwirtschaft, Pisa, soziale Gerechtigkeit, Globalisierung – die Liste der angesprochenen Themen ist lang und durchgehend hoch unterhaltsam aufbereitet. Dabei erweist sich der Kabarettist als Meister der Wortspiele, der seine Kritik oft scheinbar beiläufig in Nebensätzen verpackt.
Am Ende gibt es ein nachdenklich machendes Experiment: Ebert stellt die Frage, wenn der Besitz von Geld unfrei macht, ob dann das Vernichten freier macht und verbrennt auf der Bühne einen 50-Euro-Schein. Damit riskiert er, sich unbeliebt zu machen – „und das bedeutet Freiheit“. Sein Fazit: Leben ist nicht planbar und gerecht ist es schon gar nicht – deshalb: Freiheit ist alles!
AZ v. 11.09.12 -uh-
Ebert aber weiß es, er nutzt die Freiheit, um sich auf der Bühne zu philosophischen, politischen und religiösen Fragen zu äußern und dabei immer wieder spannende Zusammenhänge zur Physik herzustellen. So weist er mit Hilfe von Bibelzitaten und physikalischen Formeln nach, dass es im Himmel heißer ist als in der Hölle; konstatiert, dass wir heute die Freiheit haben, auf einer Bühne Witze über Gott zu machen und fordert Zivilcourage auch vom Publikum. So fragt er etwa, wer den Mut hat, unter eine auf seinen „analogen iPod“ gezeichnete Karikatur Mohamed zu schreiben. „Jeder Käfer wird beschützt, aber wenn jemand wegen einer Karikatur bedroht wird, schwafelt man von Respekt vor anderen Religionen“, plädiert Ebert nachdrücklich dafür, dass Freiheit immer die Freiheit der anders Denkenden ist.
Der diplomierte Physiker erweist sich als scharfer Denker und bissiger Kritiker, der es mühelos schafft, in einem dichten Programm Humor mit Nachdenklichkeit und verständlich aufbereiteter Wissenschaft zu paaren und dabei zielgerichtet Absurdität und Irrationalität deutschen Denkens zu entlarven. Etwa, wenn er sich als Nichtraucher in einem auf der Bühne angegrenzten Quadrat („Das ist ungefähr so sinnvoll, wie Schwimmbecken in Pinkler und Nichtpinkler einzuteilen“) eine Zigarette ansteckt: „Ich habe die Freiheit zu rauchen, der Raucher tut sich mit dem Nichtrauchen schon schwerer.“ Freie Marktwirtschaft, Pisa, soziale Gerechtigkeit, Globalisierung – die Liste der angesprochenen Themen ist lang und durchgehend hoch unterhaltsam aufbereitet. Dabei erweist sich der Kabarettist als Meister der Wortspiele, der seine Kritik oft scheinbar beiläufig in Nebensätzen verpackt.
Am Ende gibt es ein nachdenklich machendes Experiment: Ebert stellt die Frage, wenn der Besitz von Geld unfrei macht, ob dann das Vernichten freier macht und verbrennt auf der Bühne einen 50-Euro-Schein. Damit riskiert er, sich unbeliebt zu machen – „und das bedeutet Freiheit“. Sein Fazit: Leben ist nicht planbar und gerecht ist es schon gar nicht – deshalb: Freiheit ist alles!
AZ v. 11.09.12 -uh-





